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« Vom Nashorn das Geige spielen wollte
16.11.2006
» Abenteuer » Wilson (=Christopher Kallenda): Zwischen Kaktus und Schlange
NR
Wilson
(=Christopher Kallenda)

Zwischen Kaktus
und Schlange

Western
Ein mysteriöser ruhiger und unauffälliger Reiter war in der Ferne zu sehen. Er saß auf seinem großen braunen Pferd und durchstreifte stumm die nahezu endlose Prärie. Nach einer Weile hielt er sein Pferd an, um danach abzusteigen. Es handelte sich um einen großen stattlichen Mann, welcher braun gekleidet war und mit seinem großen grauen Hut wie ein Cowboy wirkte. Anderes als andere Leute im Wilden Westen trug er weder ein Gewehr noch einen Revolver bei sich. Er war völlig unbewaffnet und sah sehr friedlich aus. Optisch wirkte er unauffällig; er trug einen braunen Stoppelbart, kurzes hellbraunes Haar und war um die 25 Jahre alt. Nachdem er von seinem prächtigen Hengst abgestiegen war, marschierte er auf einen schmalen Bach zu, von welchem er einen Schluck Wasser trinken wollte. Gerade als er sich hinunterbückte um eine Handvoll Wasser aufzunehmen, bemerkte er, dass sich galoppierenden Pferden näherten. Da blickte der Mann auf und erkannte vier Ganoven mit Gewehren und Revolvern, die direkt auf ihn zuritten. Sofort erkannte er die Gefahr. Er wusste bereits, dass sie auf Rache aus waren und ihn umlegen wollten. Deshalb erhob er sich rasch und stürmte auf sein Pferd zu, um aufzuspringen. Die ersten Schüsse fielen und dem Flüchtenden flogen die Kugeln mit Todbringender Geschwindigkeit um die Ohren. Aus irgendeinem Grund jagten die Banditen hinter ihrem Opfer her und feuerten auf den Unbewaffneten dutzende Schüsse ab. Mit höllischem Tempo ritt der Mann quer durch die Landschaft, um dann in ein Indianerreservat zu gelangen, wo die Indianer bereits hinter den Felsen, mit Gewehren, Speeren und Pfeil und Bogen, lauerten. Plötzlich holte einer der brutalen Halunken sein Opfer ein und feuerte einen weiteren Schuss aus seinem Gewehr ab, worauf das Pferd des verfolgenden Mannes zu Boden ging, denn die Kugel hatte den Reiter knapp gestreift. Hart prallte der Verletzte auf den steinigen Präriegrund und blieb dort bewusstlos liegen, während sein Gaul, der nichts abbekommen hatte flüchtete. Nun wäre er leichte Beute gewesen, doch da tauchten, hinter Bergkuppen, Felsen und Sträuchern dutzende Indianer auf, welche schwer bewaffnet waren und sich durch die Ganoven bedroht fühlten. Daraufhin pfiff der Anführer dieser Verbrechertruppe seine Leute zurück und rief:
„ Los weg hier! Schnell!“
Anfangs nahmen die Indianer die Verfolgung auf, doch nach einer Weile, als sie bemerkten, dass die „Bleichgesichter“ bereits aufgegeben hatten, zogen auch sie sich wieder zurück, woraufhin der Bewusstlose allein in der Einöde der Steppe zurück blieb.

Die Aßgeier kreisten bereits über dem leblos daliegenden Mann, doch da rührte er sich auf einmal. Er versuchte seine Hand zu heben, was ihm allerdings er beim zweiten Versuch gelang. Danach öffnete er langsam seine Augen und schaffte es letztendlich sogar seinen Körper aufzurichten. Schockiert musste er feststellen, dass er schwer verletzt war, denn er blutet sehr stark. Zwar steckte die Revolverkugel nicht in seiner Seite, doch sie hatte ihn gestreift, wodurch seine Schmerzen nahezu unerträglich waren. Mit seinem Halstuch versuchte er vergeblich das Blut wegzuwischen, da fiel ihm bereits die nächste Gefahr auf, denn eine riesige Schlange lag nur wenige Meter neben ihm. Das Tier schlief tief und fest, darum musste der leidende Mann aufpassen sie nicht zu wecken und sie böse zu stimmen. Auf einmal tauchte sein Pferd, welches zuvor geflüchtet war, hinter einem Felsen auf, woraufhin der Herr erleichtert aufatmete und wieder Hoffnung auf eine Überlebenschance hatte. Mit einem Handzeichen winkte er seinen Gaul her und versuchte sich dann an einer Pflanze hinter ihm, hochzuziehen. Plötzlich schrie er kurz auf, hielt sich dann allerdings schnell die Hand vor den Mund, um die gefährliche Giftschlange nicht zu wecken. Denn aus Unvorsichtigkeit hatte er sich an einem großen grünen Kaktus hochziehen wollen, was natürlich Aufgrund der spitzen Stacheln schreckliche Schmerzen verursachte. Deshalb startete der Mann den Versuch sich an seinem Hengst hochzuziehen und begann dann von einem Moment auf den anderen zu winken, denn einige hundert Meter entfernt näherte sich eine kleine Holzkutsche, welche von zwei kleinen weißen-schwarz gepunkteten Rösseln gezogen wurde. Der blutete Mann winkte hoffnungsvoll und deutete dem Kutscher, dass dieser anhalten solle. Umgehend hielt der Kutschenlenker, bei welchem es sich um einen etwa 30-jährigen dunkelhaarigen Herrn handelte, an und sah den Verwundeten, der vor ihm, zwischen der tödlichen Schlange und dem mächtigen, mit Stacheln besetzten Kaktus lag und um Hilfe bat, indem er dem Kutscher mit einem Handzeichen deutet. Sofort sprang der 30-Jährige von seinem Sitz auf und näherte sich dem auf dem Boden liegenden Mann und fragte erstmal:
„ Sind Sie verletzt? Kann ich Ihnen helfen?“
Der Verletzte nickte nur und zeigte auf die Kutsche. Was er damit meinte, konnte der 30-jährige Herr, welcher einen großen grünen Hut, graue Hosen und ein graues Hemd trug, nicht herausfinden, doch was ihm sehr bald auffiel, war, dass es sich bei diesem verwundeten Mann um einen Taubstummen handelte. Der Taube wies immer wieder auf das Pferdegespann hin, woraufhin der Kutscher beschloss diesen Mann aus Mitleid mit in die nächste Stadt zu nehmen.
„ Margot“, rief er und seine Frau, ebenfalls um die 30 Jahre alt, sah, gemeinsam mit zwei kleinen Kindern aus dem hinteren Bereich des Wagens heraus.
Margot war eine schwarzhaarige Frau, war mittelgroß und trug ein langes rotes Kleid und einen roten Hut mit einer großen Masche. Ihre Töchter sahen ihr sehr ähnlich. Sie trugen beide langes braunes Haar und ebenfalls rote Kleider.
„ Was hältst du davon, wenn wir eine gute Tat begehen würden?“, fuhr der Mann fort und sah zu seiner Gattin hinüber.
„ Was willst du denn tun?“, fragte seine Frau neugierig und erblickte sogleich den verletzten taubstummen Mann am Boden.
Als sie ihn sah und auch die Kinder voll Mitleid waren, meinte sie verständnisvoll, nachdem sie ebenfalls erkannt hatte, dass dieser Mann sowohl taub als auch stumm war:
„ Nehmen wir ihn mit. Wie sollte ein Taubstummer, der verletzt in der Prärie liegt, sonst eine Überlebenschance haben?“

Die drei Pferde, die beiden weiß-schwarzen und das des verletzten Mannes, welches ebenfalls die Kutsche zog, durchquerten einen mächtigen reißenden Fluss, während Margot ihren Fahrgast verarztete. Sie legte dem Taubstummen einen Verband an und kümmerte sich liebvoll um ihn. Immer wieder konnte sie bemerken, dass der Herr sich gerne bedanken würde, es aber nicht in Worte ausdrücken konnte. Nun wandte Bob, der Vater und Kutschenlenker sich seiner Familie zu, da er, nachdem der Wagen den Fluss überquert hatte, einen Wegweiser erblickt hatte.
„ Ich denke es ist das Beste, wenn wir unseren Gast sobald als möglich in die nächste Stadt bringen. Dazu müssten wir allerdings einen kleinen Umweg machen“, erklärte er und hoffte, dass seine Frau genauso wie seine beiden Kinder, welche 5 und 8 Jahre alt waren, damit einverstanden sein würden.
Margot war dies recht und auch die beiden Mädchen bejahten diesen Vorschlag sofort, denn ihnen war der Fremde sehr sympathisch. Vor allem weil der Mann ihnen eine kleine Holzpuppe, die er ein paar Tage zuvor selbst geschnitzt hatte, schenkte, weil, sofern Margot die Handzeichen des Tauben richtig verstanden hatte, er es als Wiedergutmachung der Umstände, welche diese netten Leute sich seinetwegen machten, sah. Darum bog Bob bei der nächsten Kreuzung links ab und nahm deshalb einen Umweg von etwa 10 bis 12 Stunden auf sich. Nun fuhr der Wagen einen langen steinigen Weg entlang durch einen kleinen Wald und dann über einen kleinen Hügel, wo die Familie beschloss eine kurze Rast zu machen. Neben einem riesigen rot-braunen Felsen hielten sie an und stiegen dann aus und nahmen ihr Mittagmahl zu sich. Bereits einige Minuten später bestiegen sie die Kutsche wieder und setzten ihre Reise fort, um noch vor Einbruch der Dunkelheit zur nächst besten Stadt zu gelangen. Abermals folgte ihr Wagen einem breiten Weg Richtung Westen, welcher sie nach ganzen 11 Stunden in eine kleine ruhige Stadt brachte. Dieses Städtchen war nicht sehr groß und auch eher unbelebt, denn es waren kaum Leute auf den Straßen. Das Erste, was Bob in dieser Ortschaft tat, war einen Arzt aufzusuchen, welcher sich um den Verletzten kümmern sollte. Sofort fand er neben dem Sheriffhaus eine kleine Arztpraxis, in die er den Fremden brachte, der sich ohne Worte oftmals versuchte zu bedanken. Nachdem Bob auch noch das Pferd des mysteriösen Fremden von seiner Kutsche losgebunden hatte, fragte er seine Familie:
„ Sollen wir gleich weiter fahren oder sollen wir noch warten, was der Doktor zu dem Verletzten sagt?“
„ Warten wir noch und verabschieden wir uns noch von diesem Herrn“, meinte Margot, die neben ihren beiden Töchtern stand, welche derselben Meinung waren.
Bob stimmte dem zu und so warteten sie noch einige Zeit, bis sie sich dann freundlich von dem Herrn verabschiedeten, welcher ihnen, trotzdem er ihnen einige Umstände gemacht hatte, sehr sympathisch war und erfuhren von dem Arzt, der Mann untersucht hatte, dass dieser Mann nicht allzu schwer verletzt war.

Es war kurz vor Sonnenuntergang, als der mysteriöse Fremde von dem die Familie so gut wie gar nichts wusste, auf sein Pferd stieg und sie winkend verließ, da näherten sich der Sheriff und einer seiner Gehilfen und fragten interessiert, um einfach nur ein Gespräch mit den Leuten, die in seiner Stadt Gäste waren, zu beginnen:
„ Wohin wollen Sie mit Ihrer Kutsche?“
„ Wir wollen nach Greattown“, erklärte Bob, „ um uns dort niederzulassen.“
Daraufhin erkundigte der Sheriff sich verwundert, ob sie nicht einen Umweg hierher gemacht hatten, denn Greattown lag Hunderte Meilen weiter westlich, als die Stadt in der sie sich jetzt befanden.
Daraufhin erzählte Margot dem Sheriff kurz, dass sie einen Verletzten hierher gebracht hatten.
„ Eigentlich wollten wir am direkten Weg durch die Goldschlucht weiterreisen, aber…“, erklärte Bob seinem Gesprächspartner, doch da wurde er von dem Mann, welcher neben dem Sheriff stand unterbrochen.
„ Durch die Goldschlucht?“, fragte dieser Mann verwundert und meinte dann:
„ Seien Sie froh, dass Sie nicht durch diese Schlucht geritten sind. Heute Morgen fand dort nämlich eine gigantische Schlacht zwischen Indianern und Kavallerie statt. Wenn Sie diese durch fahren hätten, wären Sie mit Sicherheit gestorben.“
Plötzlich wurden Margot und Bob völlig ruhig und nachdenklich und lauschten dann noch den letzen Worten des Sheriffs, welche sie ebenfalls sehr nachdenklich stimmten:
„ Dieser Verletzte, wegen dem Sie diesen Umweg hierher gemacht haben, hat Ihnen das Leben gerettet, wahrscheinlich ohne es zu wissen.“
Nun fand die Familie heraus, dass dieser mysteriöse und eigenartige Fremde ihnen in einer gewissen Form doch gedankt hatte und ihnen ihr Leben bewahrt hatte. Die vier Leute blickten noch ein letztes Mal zu dem mystisch wirkenden Reiter, welcher langsam und ruhig in den Sonnenuntergang hinein ritt zurück und fragten sich, wer dieser Mann wohl gewesen war und ob dieses Zusammentreffen mit ihm nur Zufall oder doch Schicksal war und ob sie diesen großen edlen aber stillen und unwissenden Helden jemals wieder sehen würden. Was man auch bedenken musste, war, dass, wenn sie diesen armen Mann zwischen Kaktus und Schlange, wo er vor ihnen gelegen war, liegen gelassen hätten, wären sie Mitten in die Schlacht geraten und allesamt gestorben. Schlussendlich fixierte die Familie ihren Blick auf den Fremden, von dem sie nicht einmal den Namen kannten und dachte stumm darüber nach ob er vielleicht sogar eine Art Schutzengel oder ein Gesandter Gottes sein würde. Doch wer er in Wahrheit war und warum das Schicksal ihnen diesen Mann geschickt hatte, dass fanden sie niemals heraus, genauso wie sie ihrem mysteriösen Retter nie wieder begegneten…


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christopher.kallenda@aon.at
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