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20.10.2006
» Abenteuer » Die Mutprobe
NR
Die Sonne am Horizont liess einen heissen Tag erahnen. Doch Kim konnte sich nicht darüber freuen. Seit er die Schule gewechselt hatte, graulte es ihm vor jedem Schultag. Schuld daran war Remo. Er liess sich Rem nennen, weil "das arschcool tönt, Mann!", wie er findet. Kim war zwar eher der Meinung, dass es wie das Aufheulen eines Motors klingt. Aber seit wann interessierte sich einer wie Remo - oder eben Rem - für Kim? Rems Verhalten nach war jener zum Auslachen geboren. Und Kim hasste sich dafür.
Er sah auf die Uhr und beschleunigte seine Schritte. Ganz in Gedanken, sah er die dünne Nylonschnur, zehn Zentimeter über dem Boden, nicht. Mit dem Gesicht voran landete er im Dreck. Gelächter. Rem. Und seine Bande.
"Na, Kleiner! Hast du dir weh getan?", fragte er mit spöttischem Grinsen wie zu einem Baby.
"Lass mich in Ruhe", knurrte Kim. Er konnte es nicht ausstehen "Kleiner" genannt zu werden. Noch dazu von Rem, der einen halben Kopf kleiner ist.
"Man will doch nicht gleich unhöflich werden? Noch dazu, bei der Chance heute..." Rem hütete sich natürlich, weiter zu reden. Wusste er doch, dass Kim sich nun den Kopf darüber zerbrach, was er wohl damit meinte. Er hatte jedoch nicht damit gerechnet, dass Kim sich unbeeindruckt den Schmutz von den Klamotten rieb und wegging - allerdings mit höherem Tempo als gewöhnlich.
"Hey!", brüllte Rem. "Willst du nicht wissen, welche Chance du heute hast?"
Kim ging weiter.
"Kim! Willst du in meine Bande aufgenommen werden?" Das wirkte.
"Wie denn?"
"Heute, nach der Schule auf dem Fussballplatz. Mutprobe!" Er lachte sein grausamstes Lachen und wandte sich um. Dabei pfiff er lässig seine Kumpel und verschwand.
Rems Bande. Einer von ihnen sein, keine Spötteleien und Streiche mehr von ihm ertragen müssen, angesehen sein... Ja, das wollte Kim.
"Ich komme!", rief er Rem hinterher.
Dieser drehte sich noch mal um: "Wusste ich's doch! Na dann, bis nach der Schule!"
Doch was hatte Remo vor? Ihm war alles zuzutrauen. Kims Magengegend zog sich zusammen, als er daran dachte, worauf er sich da eingelassen hatte.
Viel zu schnell läutete die Glocke die letzte Stunde aus. Kim zitterte vor Angst. Ihm wurde übel. Doch er hatte keine Wahl. Er musste auf den Fussballplatz.
Auf dem Platz warteten ein paar Schüler, von denen Kim wusste, dass sie nicht gerade die Beliebtesten waren. Wahrscheinlich hatte Rem noch andere eingeladen.
Kim setzte sich zu den anderen ins verdorrte Gras. Der ganze Fussballplatz war nicht gerade ein Blickfang. Das Gras war mehr gelb als grün und an manchen Stellen kam die n/ackte Erde hervor. An beiden Enden standen Tore, deren Netz ganz zerrissen war. Sie wurden von den älteren Schülern herumgezogen, um erste Erfahrungen im De/molieren sammeln zu können.
Endlich kam Seine Majestät, Rem. Ein paar Kumpels von ihm packten das eine Tor und stellten es schräg gegen die Schulhauswand. Kim begriff. "NEIN!", schrie er. "Nein, bitte, Rem, ich kann das nicht! Ich kann nicht! Bitte!"
Rem kam auf ihn zu. "Ich schätze, unser lieber Kim hat gerade herausgefunden, worin die Aufgabe besteht, hm? Ja, richtig, ihr müsst auf die Fensterbank im ersten Stock klettern. Es ist eine Abstellkammer, euch sieht also niemand. Das Tor sollte eine kleine Hilfe sein." Die Wand war glatt wie die Oberfläche eines Sees, wenn der Wind nicht bläst.
Kim schluckte. Er hatte Höhenangst. Schon als kleiner Junge hatte er vor jeder kleinen Steige Panik. "Rem", flüsterte er, "bitte, ich will nicht! Ich kann nicht! Versteh mich doch!"
Rem lachte bloss. "Ich verstehe dich erst, wenn du Mitglied meiner Bande bist. WENN du wirst."
Kim war den Tränen nahe. "Jetzt bloss keine Blösse geben", dachte er. "Jetzt nur nicht weinen!"
Rems Mutprobe hatte schon begonnen. Ein Mädchen namens Stephanie kletterte flink auf das Tor und setzte sich auf die Fensterbank. Problemlos. Ohne geringste Mühe.
Der Nächste, ein Junge, den Kim nicht kannte, kam nicht minder so schnell hinauf. Kim wurde schwummrig.
Endlich, alle waren durch. Alle, bis auf Kim.
"Na, Kimie, los geht's!", lachte Rem spöttisch.
Mit zitternden Knien ging Kim auf das Tor zu. Unbeholfen versuchte er sich hochzuziehen - erfolglos.
Nach etlichen Versuchen sass er endlich auf der Latt/e. Er zwang sich, nicht nach unten zu schauen, doch bald sah er vor Schwindel nichts mehr, ausser der Fensterbank, die noch erschreckend weit oben war. Viel weiter oben, als es von unten scheint. Er griff nach oben, doch seine schweissnasse Hand rutschte ab. Er merkte, wie er das Gleichgewicht verlor und mit einem Schrei in die Tiefe fiel.
Zum Glück landete er auf den Füssen und rannte sofort los. Weg von hier, nur weg! Er hatte keine Lust, sich jetzt noch von Rem und den anderen auslachen zu lassen.
Er lief schneller und schneller. Hinter sich hörte er Schritte, woraufhin er sein Tempo noch erhöhte, obwohl er noch nie schnell rennen konnte.
Doch Remo holte ihn - als schnellster Läufer der Schule - problemlos ein.
"Kim, so warte doch!"
Kim ignorierte ihn.
"Kim! Du bist... V/erdammt noch mal, halt an, du bist aufgenommen!"
Apert blieb Kim stehen. "Was sagst du da? Aufgenommen? Aber ich bin doch runter gefallen, ich habe es nicht geschafft!"
"Doch du bist dabei, Kim", wiederholte er. Und dann, ausgerechnet Rem, der nur Leute mit Mut und Können für etwas hielt, ausgerechnet er sagte: "Umkehren braucht weit mehr Mumm als hirnlose Mutproben. Und den hast du bewiesen."
alles lesen | 0 Kommentare | Cindy Maria von Brugg | cindymaria.vonbrugg@googlemail.com
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