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« Kidz from da block- Spuren aus der Vergangenheit
31.12.2005
» Phantasie-Geschichten » Leseprobe|~ Das Geheimnis der Mondfalken
NR
Was zuletzt geschah: Charlie erhält zwei merkwürdige Nachrichten von einem Fremden.
Diese verändern sein Leben: sein verschwundener Vater kommt ins Spiel, und er wird eingeladen ...

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Ich hab mich entschlossen, noch ein bisschen mehr zu verraten *g*
Natürlich hoffe ich, dass es euch gefällt ... längere Kritiken könnt ihr mir gerne per Mail schicken!

Lg, Hermione

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William Shackleby.
Wer sollte das sein? Charlie kannte niemanden, der so hieß.
Merkwürdig war auch, dass keine Briefmarke auf dem Kuvert klebte oder der Ort, woher der Brief kam. Nur der Name.
„Danke, Mr. Owens.“ Er drehte sich beinahe geistesabwesend um, verabschiedete sich von Mr. Owens und verließ das Büro.
Hastig schlich er sich in das Jungenklo, wo er sich in einer Kabine einsperrte und den Brief, fast krank vor Neugier, aufriss.
Geld … aber wie viel mochte das sein …? Auf jeden Fall war es nicht wenig.
Und ein Ticket. Charlie beäugte es ein wenig misstrauisch.
Von Oxfordshire nach … ins Nirgendwo.
Es gab keinen Ort, wo der Zug hinführen sollte.
Die Karte war hundertprozentig gefälscht worden. Vielleicht war aber auch nur beim Drucken auch nur ein Fehler unterlaufen.
Der Zug würde am 17. Februar abfahren - das war in vier Tagen!
In dem Brief war noch etwas; ein zusammengefaltetes Stück Papier.
Charlie fischte es heraus und entfaltete das leicht gelbliche Papier.
Jemand hatte in derselben Schrift wie auf dem Kuvert (diesmal hatte sich die Person wohl sehr bemüht, ordentlich zu schreiben) den Brief verfasst.

Lieber Charlie,

ich weiß, es sind einige Jahre seit unserem Treffen vergangen, und ich bin mir sicher, dass du dich nicht mehr an mich erinnern kannst.
Genau genommen haben wir uns das letzte Mal vor dreizehn Jahren gesehen, das heißt,
du warst viel zu klein, um mich richtig kennen zu lernen.
Deshalb denke ich, dass es nun endlich Zeit wird;
du bist auch schon alt genug dazu.
Neben dem Brief habe ich ein Ticket und Geld beigelegt, das du vielleicht brauchen könntest.
Ich habe dir bereits gestern eine Nachricht geschickt, Alconys hat sie dir überbracht.
Es tut mir Leid, dass du mich auf diesem Wege kennen lernen musst.

Mit freundlichen Grüßen,
William Shackleby

P.S.: Zeig deiner Mutter den Brief, sie wird dich sicher gehen lassen.
Es ist der Grüne auf dem Bahnhof.

P.P.S: Erzähl niemandem von dem Brief, in Ordnung?
Kein Wort!


Und mit einem Schlag war alles anders für Charlie.
Selbst die Schule war ihm plötzlich egal, auch Strike und dessen Freunde.
Bisher war sein Leben so geregelt abgelaufen … ein anderes Wort dafür war langweilig.
Grau in grau, immer dasselbe. Und er hatte mit Angst leben müssen.
Aber auf einmal war da dieser Brief mit dem Ticket und dem seltsamen Absender.
Vielleicht änderte sich jetzt tatsächlich alles?
Ganz sicher würde er sich Ärger einhandeln, aber was machte das schon noch?
So schnell Charlie konnte, lief er den Gang entlang und dann die Straße entlang.
Als er an Mr. Peekes Haus vorbeikam, war das Seitenstechen schon unerträglich, doch er lief immer weiter.
Schließlich war es nicht mehr weit, und er war sich sicher, dass seine Mutter heute zu Hause geblieben war, um im Selbstmitleid zu baden.
Ein leichtes Hassgefühl stieg in ihm auf. Wegen diesem Idioten weinen …?!
Zehn Minuten später stützte sich Charlie bei der Gartentür ab, um sich wieder zu erholen.
Als er sich wieder gefasst hatte, kramte er seinen Hausschlüssel aus der Hosentasche hervor und wollte aufsperren.
Doch als er die Türklinke herunterdrückte, schwang die Tür auf. Seine Mutter war also tatsächlich zu Hause geblieben.
„Mum?“ Charlie schaute zuerst im Wohnzimmer, wo sie nicht war.
Zunächst in der Küche, wo sie noch immer im Bademantel saß.
„Na, Charlie?“, fragte sie, „wie war die Schule?“ Ihr fiel gar nicht auf, dass er normalerweise noch in der Schule sein müsste; er hatte gerade mal zwei Stunden die Schulbank gedrückt.
„Ganz in Ordnung. Mum, ich muss dir was zeigen.“
Seine Mutter richtete sich auf, zündete sich eine Zigarette an.
Eigentlich hatte sie vor sechs Jahren damit aufgehört.
„Was musst du mir denn zeigen? Gibt’s Probleme?“
Charlie zuckte mit den Achseln. „Ich weiß nicht so recht. Aber ich muss dir was zeigen – lies das mal.“
Zuerst wirkte seine Mutter eher desinteressiert, doch je mehr sie las, desto größer wurden ihre Augen und sie schien zu erwachen.
„Wer hat dir diesen Brief gegeben, Charlie? Wer?“ Es sah so danach aus, als würde sie sich bemühen müssen, ruhig zu bleiben.





„Mr. Owens, Mum. Also … wer ist das und was will er von mir?“, fragte Charlie.
Seine Ungeduld stieg allmählich.
Mrs. Blackfire stand langsam auf. Ohne ein Wort zu sagen, ging sie zur Spüle und begann, einen Teller zu schrubben.
Als sie nach einer Minute noch immer nichts sagte, konnte er den Mund nicht mehr halten.
„Wer ist das?“
Der Schwamm scharrte auf dem Teller, der bereits sauber war.
Das schien sie erst jetzt zu bemerken und setzte sich wieder.
„Ja, es ist dein Recht, es zu erfahren … ja, das ist es wohl …“ Ihr Blick wanderte durch die Küche, blieb schließlich an Charlie hängen.
Dessen Herz klopfte wild.
„Dein Vater …“ Er konnte es in seinen Ohren hämmern hören, „war früher immer eigenartig. Er war Schriftsteller.
Zuerst schrieb er für eine Zeitung, beliebte Kurzgeschichten … irgendwann, es herrschte tiefster Winter, kam er nach Hause und teilte mir mit, dass er gefeuert worden war.
Ich wusste nicht, wie es mit uns weitergehen sollte, da ich zu dem Zeitpunkt hochschwanger mit dir war …
Jedenfalls haben wir uns sehr gestritten, und als er erwiderte, sprach er so eine komische Sprache – von da an verkroch er sich in seinem Zimmer.
Und eines Nachts … da war er einfach fort.
Sogar die Polizei hat ihn gesucht, aber auch die waren erfolglos.
Allerdings hat er mir jeden Monatsanfang Geld zukommen lassen, nicht wenig, bis ich deinen Stiefvater“, sie schluckte schmerzlich, „kennen lernte.“
Charlie konnte nur staunen. Es hatte nie ein Gespräch gegeben, in dem Charlies leiblicher Vater auch nur annähernd erwähnt worden war.
„Aber wer ist William Shackleby?“, bohrte er weiter.
Etwas Wütendes blitzte in den Augen seiner Mutter auf.
„Der vermeintliche Bruder deines Vaters. Auch er hat nach deinem Vater gesucht … ich denke aber, dass er ganz genau weiß, wo er ist, nur verschweigt er es mir und der Polizei.“
Charlie lag diese eine Frage schon seit Jahren auf dem Magen.
Wenn er das Recht hatte, alles zu erfahren, dann konnte er doch sicherlich auch …
„Mum, vermisst du meinen Vater eigentlich?“
Er hatte erwartet, dass sie wieder schweigsam werden würde.
Doch diesmal musste Charlie nicht so lange auf eine Antwort von ihr warten.
„Keine Ahnung, Charlie. Es sind so viele Jahre in der Zwischenzeit vergangen.
Er hat mich verlassen, als ich schwanger mit dir war; genau zu dem Zeitpunkt, an dem ich ihn am meisten gebraucht habe.
Charlie, welche Gefühle sollte ich da für ihn hegen?
Enttäuschung, vielleicht. Tiefe Enttäuschung.“
Eine Welle von Überraschungen und Wahrheiten drohte Charlie zu überschwemmen.
Er fühlte sich überlastet, und doch wollte er noch mehr wissen.
„Und darf ich William Shackleby kennen lernen?“
„Ja. Ich denke schon. Bei ihm wird es dir besser gehen als wie bei mir. Es ist weit fort, aber ich werde dir jeden Tag schreiben, in Ordnung?“
Charlie nickte bloß. „Dann sollte ich wohl schon heute damit anfangen, zu packen.“
Er wandte sich um, verließ die kleine Küche und stieg die alten, knarrenden Treppen zu seinem Zimmer hoch; sein Vater, den er nicht kannte, geisterte in seinem Kopf herum.

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Viel Spaß beim Lesen!
alles lesen | 0 Kommentare | *Hermine* | emma14@web.de
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