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11.12.2005
» Phantasie-Geschichten » |~Neue Leseprobe~|
NR
So, ich hab hier wiedermal eine kleine Leseprobe für euch!
Ich weiß, dass hier noch nicht viel geschehen ist, aber es würde mich wirklich sehr interessieren, was ihr dazu sagt.
Es kann auch gerne Kritik abgegeben werden.
Also - viel Spaß beim Lesen!

---
Übrigens: Da es sicher einigen schon bekannt ist, dass ein Buch von mir erscheinen wird, muss ich dazu etwas bekannt geben:
In drei Wochen (bzw. in einer, da ich dem Verlag mein "OK" zur Druckfreigabe bereits vor ca. 2 Wochen gegeben habe) werde ich meine ersten Autorenexemplare erhalten, das heißt dann, dass die Verkaufsbücher ca. eine Woche nachdem ich meine Bücher erhalten habe, im Internet zu bestellen sein werden, bzw. in Buchläden erhältlich sein werden.
Noch genauer kann ich erst werden, wenn ich die ersten Bücher habe

Danke,
Eure Hermione
---


Die dünnen Äste des Baums schlugen leise gegen das Fensterglas.
Das grelle Licht des Mondes erhellte das Zimmer fast gänzlich.
Wie spät es jetzt wohl war?
Charlie hatte keine Ahnung. Sicherlich spät.
Normalerweise müsste er schon längst im Bett liegen und schlafen, doch das tat er nicht.
Er wünschte sich zwar, dass er es könnte, aber …
Also saß er da, auf seinem Lieblingsplatz, seinem weichen Platz am Fenster, mit den weichen Kissen.
Die Beine hatte er angezogen, die Arme darum geschlungen, den Kopf ans kühle Glas gelehnt.
Obwohl das Zimmer nicht neben Charlies lag, konnte er seine Mutter leise schluchzen hören.
Es beunruhigte ihn nicht unbedingt, denn er kannte es.
Genauso gut kannte er es, hier zu sitzen- er tat es jede Nacht.
Immer, wenn er wieder feststellen musste, dass er nicht einschlafen können würde, dann stand er auf und setzte sich hierhin.
Heute war es jedoch irgendwie anders. Seine Mutter weinte lauter als sonst, hemmungsloser, sonst versuchte sie immer, es zu verstecken.
Außerdem drehte sie sich öfters unruhig im Bett herum, stand manchmal auf, ging ein paar Schritte, dann legte sie sich wieder hin.
Charlie wusste, dass es seiner Mutter wehtat. Aber ihm ganz bestimmt nicht.
Er krempelte sein linkes Hosenbein hoch.
Ein großer Bluterguss und mehrere blaue Flecken ließen sein Knie und die Wade aussehen wie eine Farbpalette.
Endlich war er fort. Endlich war sein Stiefvater abgehauen.
Charlie fragte sich ob seine Mutter mitbekommen hatte, dass sein Stiefvater ihn misshandelt hatte- oder hatte sie einfach nur weggeschaut?
Er hauchte das Glas an. Dann malte er mit der Fingerspitze ein Kreuz.
Irgendwo draußen heulte ein Hund kläglich.
Charlie bemerkte, wie er gähnte. Er erhob sich und kroch in sein Bett zurück.
Der knallrote, alte Wecker tickte monoton vor sich hin, während Charlies Augenlider immer schwerer wurden, bis er in eine seiner Traumwelten sickerte.


Doch sein friedlicher Schlaf wurde jäh durch ein leises Geräusch unterbrochen.
Charlie blinzelte schläfrig. Trotz seiner Müdigkeit setzte er sich erneut auf und schaute zum vergitterten Fenster.
Das Gitter gab es nur vor Charlies Fenster. Seine Mutter hatte es extra anbringen lassen, obwohl es sehr viel Geld gekostet hatte und die Familie wirklich jeden Cent zweimal umdrehen musste.
Es lag sicher nicht daran, dass Charlie so schlimm war, doch in nur kurzer Zeit waren mehrere Kinder einfach spurlos verschwunden; es war tief nachts, und immer, wenn man es nicht erwartete, verschwand das Kind.
Charlie fand das lächerlich und er kam sich wie in einem Gefängnis vor.
Er rieb sich die Augen. Auf dem Fensterbrett saß ein Falke.
Ja, ein Falke. Aber was hatte der hier zu suchen?
Noch dazu hatte der Falke seine bernsteingelben Augen auf Charlie gerichtet – als würde er ihm direkt in die Augen sehen wollen.
Ein wirklich prachtvolles Tier. Aber ein Seltsames.
Sein gesamtes Gefieder (so weit Charlie sehen konnte) war tiefschwarz.
Charlie hatte noch nie einen solchen Falken gesehen – überhaupt, hatte er nur ein einziges Mal einen Falken gesehen, nur aus der Ferne, und selbst da war er sich nicht ganz sicher, ob es auch ein Falke gewesen war.
Unbewusst lächelte er das Tier an.
Selbst als er wieder zum Fenster ging und es öffnete, flog der Falke nicht davon.
„Hey“, flüsterte Charlie, setzte sich und betrachtete den Falken interessiert. „Was willst du?“
Ich bin ja verrückt!, dachte Charlie und verzog das Gesicht, ich rede mit einem Vogel … und der – scheint mir zu zuhören!
Charlie wusste, dass es nicht ungefährlich war, bei einem solchen Tier die Hand auszustrecken (er hatte gelesen, dass der Schnabel und die Krallen messerscharf waren), aber irgendetwas sagte ihm, dass nichts Unheilvolles geschehen würde.
Mit größter Vorsicht berührte er das Gefieder an einem der Flügel.
Er konnte spüren, wie ein überraschtes Zucken durch den Körper des Falken ging.
Die wachsamen Augen schienen Charlie zu prüfen.
Nach einer Weile erlaubte ihm der Falke sogar, den kleinen Kopf zu berühren.
Während Charlies Zeigefinger über die weichen, glatten Federn fuhr, bemerkte er, dass ein dünnes Lederbändchen an dem Fuß des Falken befestigt worden war.
Das kleine Papierröllchen nahm er erst später wahr.
Es war ein wenig zerknittert und raschelte leise, als Charlie es aufwickelte.
Die Handschrift war geschwungen und schön, jedoch war die Nachricht sehr kurz:

Ich kenne dich.
Wir sollten uns unterhalten.

Mehr hatte die unbekannte Person nicht geschrieben.
Charlie drehte und wendete den Zettel mehrmals, als erhoffte er sich, dass dadurch etwas geschehen würde.
Er zuckte zusammen, als der Falke sich mit einem lauten Rascheln in die Lüfte erhob.
Eine eigenartige Nacht. Charlie beschloss, seiner Mutter nichts zu erzählen; vorläufig jedenfalls nicht.

Charlie zog es vor, zurückgezogen zu leben.
Er hasste jeden Lärm, Rummel und jegliche Art von Menschenansammlungen, die es sonst noch gab.
Seine Mutter konnte sich derzeit keine Privatschule leisten, die Charlies größter Traum war; wahrscheinlich würde dieser Traum nie in Erfüllung gehen.
Charlie zog die Nase kraus und rückte seine Nickelbrille zurecht. Nachdenklich stocherte er in seinen Cornflakes herum.
„Hallo, Charlie.“ Seine Mutter betrat die kleine Küche, ihre Stimme war zittrig.
Sie trug einen hellblauen, alten Morgenmantel und ihr Haar war völlig zerzaust, ihr gestriges Make-up war völlig verschmiert.
Während Charlie aß, hantierte sie an der Kaffeemaschine herum.
Dann setzte sie sich ihm gegenüber. „Gut geschlafen?“, fragte sie und versuchte dabei, fröhlich zu klingen.
„Ja“, antwortete Charlie kurz, obwohl er noch ein wenig müde war. „Mum, ich muss jetzt los. Wir sehen uns später.“
Damit schob er die Schüssel von sich, erhob sich und ging ins Vorzimmer.
„Bis später, Charlie“, rief ihm seine Mutter mit einer rauen Stimme nach, als die Tür schon beinahe ins Schloss gefallen war.
Draußen wehte ein eisiger Wind. Der Weg war teilweise gefährlich glatt durch das dünne Eis, der Schnee wässrig.
„He, Blacky!“, rief eine ihm bekannte, unfreundliche Stimme, „wie geht’s so? Was hab ich gehört, der Alte deiner Mum ist abgehauen? Wie dein feiger Dad?
Blackyboy, warum hast du’s plötzlich so eilig, Blacky?“
Tatsächlich hatte sich Charlies Schritttempo erhöht. Er blickte sich nicht um, da er ganz genau wusste, dass sie ihn verfolgten.
Strike, Matt und Bill, drei typische Schläger der Schule, die jeden und alle niedermachten, die sich gegen sie stellten – oder einfach nur aus Spaß.
Letzteres traf auf Charlies Fall zu. Er hatte ihnen nie etwas getan, doch seit der ersten Klasse an passten sie ihn ab, erpressten Geld und verprügelten ihn.
Charlie war weder zu klein oder zu schwach, um sich zu wehren; er war auch nicht hässlich oder dumm, dass sie ihn piesackten, nein, nichts traf auf ihn zu.
Er war sogar groß gewachsen und kräftig, hatte dunkelbraunes Haar und blaue Augen.
Als dumm konnte ihn wirklich niemand bezeichnen.
Nichts schien ihm leichter zu fallen als zu Lernen; er ging sogar sehr gerne zur Schule und er war wissensdurstig.
Doch er war nie derjenige gewesen, der jemanden schlug, anschnauzte oder sonst etwas Unhöfliches tat.
Sein Stiefvater hatte ihn geschlagen, weil Charlie nach dessen Ansicht viel zu verweichlicht war und sich nicht sonderlich für Football interessierte.
Stattdessen fraß er ein Buch nach dem anderen.
„Blacky!“, ertönte die Stimme erneut, und Charlies Instinkt befahl ihm, allmählich zu traben, „bleib doch stehen, oder hast du Angst?!“
Ich will nicht!, dachte Charlie, ich will das alles nicht mehr!
Und dann rannte er so schnell er konnte, bis die kalte Winterluft seine Lunge schmerzen ließ und er ein arges Seitenstechen verspürte.
Trotzdem rannte er weiter, und achtete nicht mehr darauf, ob Strike und seine dummen Anhänger noch zu hören waren.
Erst als er bei dem rostigen Tor der Schule angekommen war, wandte er sich um.
Niemand war mehr zu sehen.
Charlie legte die Hände auf seine Knie und verharrte in dieser Position, holte tief Luft und atmete wieder aus.
Plötzlich durchfuhr in ein dumpfer Schmerz. Jemand hatte ihm am Nacken gepackt.
Gleich darauf blickte er in Strikes grinsendes Gesicht und die geballte Faust, die seiner Unterlippe einen unangenehmen Riss zufügte.
Die Schulglocke läutete, und Matt oder Bill (wer auch immer ihn gepackt haben mochte) ließ ihn los, um Strike in die Schule zu folgen.
„Wir sehen uns nachher, Blackyboy!“, hörte er Strike brüllen, da die Schüler, die auf dem Hof gewartet hatten, jetzt in das Gebäude hineinströmten.
Charlie leckte sich über die Lippen.
Er schmeckte Blut. Hastig zog er ein Taschentuch aus seiner Jeans und presste es sich an die Lippe.
Mrs. Sundale war glücklicherweise noch nicht da.
Sicher würde sie ihn fragen, wie er sich verletzt hatte.
Charlie setzte sich an seinen Platz und räumte seine Bücher hervor.
Amanda, das Mädchen, das vor ihm saß, drehte sich zu Charlie um und grinste an.
Dabei entblößte sie ihre ekelhafte Zahnspange, in der die Essensreste hängen blieben.
Er erwiderte das Lächeln gezwungen.
„Hallo Kinder!“, rief eine barsche Stimme und alle erhoben sich blitzartig, „Setzt euch!“
Mrs. Sundale ließ ihre Unterlagen auf den Lehrertisch fallen und setzte sich bequemlich.
„Sind alle da? Raphael, hör auf in der Nase rumzubohren … Jessica, wo ist Maria?“
Die Lehrerin ließ ihren Blick durch die Klasse schweifen, wie sie es sonst auch immer tat.
Plötzlich blieb ihr Blick an Charlie hängen. Er hatte es befürchtet.
„Charlie, was hast du mit deiner Lippe gemacht?“, fragte sie, mit einem gewissen Unterton, den er über alles hasste; dabei ließ sie ihn nicht aus den Augen.
Charlie tat überrascht und berührte die kleine, aber stark blutende Wunde.
„Drauf gebissen, Ma’am. Ich bin draußen ausgerutscht und hab mir dabei auf die Lippe gebissen.“ Sein Herz klopfte ihm dabei bis zum Hals.
Mrs. Sundale schien ihn mit ihren Augen zu röntgen. Aber dann wusste sie nicht, was sie darauf sagen sollte und wandte sich von ihm ab.
Aber das letzte Wort war noch nicht gesprochen, das spürte Charlie.
Alle hatten sich nun wieder zu ihm umgedreht und musterten ihn argwöhnisch.
Der Unterricht begann und kroch dahin. Charlie langweilte zeitweise.
Er arbeitete ruhig an seinem Projekt für Biologie, während andere von Zeit zu Zeit leise schnauften.
Ein leises Klopfen ertönte und die Tür wurde geöffnet.
Mr. Peterson, ein netter, älterer Lehrer, steckte den Kopf zur Tür herein.
„Entschuldige, Martha. Könnte ich bitte Charlie Blackfire entbehren?“ Er schaute sich im Klassenzimmer nach Charlie um.
Als er ihn sah, winkte der Lehrer ihn mit der Hand zu sich.
„Natürlich, Steve. Kommt er wieder?“ Eine seltsame Frage.
„Ich weiß nicht so genau“, antwortete Mr. Peterson darauf.
Also packte Charlie seine Sachen wieder ein, stand auf und folgte Mr. Peterson.
Mrs. Sundale guckte ihnen hinterher. Charlie war froh, nicht länger über seine blutige Lippe diskutieren zu müssen.
Mr. Peterson führte Charlie direkt zum Büro des Direktors. Normalerweise hatte das nichts Gutes zu bedeuten.
„Mr. Peterson, wissen Sie zufällig, warum ich zum Direktor muss?“, ergriff Charlie das Wort.
Aber Mr. Peterson schüttelte nur den Kopf. „Tut mir Leid Charlie, ich hab keine Ahnung.“
Er öffnete Charlie die Tür. „Auf Wiedersehen, Charlie.“
„Setz dich, Charlie Blackfire!“, hörte Charlie den Direktor sagen, „aber mach vorher die Tür zu, bitte.“ Charlie gehorchte ihm.
Dann setzte er sich Mr. Owens gegenüber. Dieser saß in seinem über alles geliebten, grünen monsterartigen Ledersessel.
„Ich hab hier was für dich.“ Mr. Owens überreichte Charlie einen Brief. „Der Brief wurde durch meinen Türspalt geschoben. Er wurde an dich adressiert.“
Charlie nahm ihn zögernd an sich, wendete ihn.
Er betrachtete den Absender mit einem Stirnrunzeln; der Name war in Großbuchstaben grob in eine Ecke gekritzelt worden.
alles lesen | 6 Kommentare | *Hermine* | emma14@web.de
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