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17.11.2005
» Phantasie-Geschichten » Zombie
NR
Another mother's breakin'
Heart is taking over
When the violence causes silence
We must be mistaken
It's the same old theme since 1916
In your head,
In your head they're still fightin'
With their tanks, and their bombs
And their bombs, and their guns
In your head,
In your head they are dying



"Was guckst’n so blöd, du fettes Stück Scheiße?",
Du malmst mit den Zähnen. Die alte Frau sieht dich weiterhin unverwandt an – ruft ihren Hund zu sich, dann: "Suchen Sie jemanden?", und du wünschst dir, du hättest deinen Gedanken laut gesagt. Man wie gerne hättest du doch den Ausdruck auf dem Gesicht dieser Tante gesehen.
Doch stattdessen kratzt du nur weiter mit der Schere die Papierfetzen von den Klingeln, "Nein", murmelst du leise, "ich erneuer' nur die Klingelschilder."
"Oh", die Alte nickt, sieht dich immer noch an als kämest du von einem anderen Stern, "und was wird erneuert?", sie schaut auf die Klingeln, die du bereits mehr oder minder säuberlich bearbeitet hast.
"Nichts, nur neue Schilder, damit's einheitlicher aussieht", antwortest du zerknirscht.
Oh man, die Schachtel nervt dich. Am liebsten würdest du ihr eine Kugel zwischen die Augen ballern. Bang! Und tot. Taktisches KO, yeah. Das haut rein.
Du musst innerlich grinsen. Würdest du natürlich nie äußerlich tun. Nein, bist ja ein liebes Kind. Oder jedenfalls die Kopie von einem.
Die Alte steht immer noch hinter dir, schaut dir über die Schulter als traue sie dir nicht wirklich. Du bist genervt, knallst - wohl etwas zu laut - die Schere gegen das Glas.
Es klirrt metallisch. Die Frau schüttelt den Kopf, dann verschwindet sie endlich im Haus und du streckst ihrem Rücken den Mittelfinger raus.
Hoffentlich, denkst du, hat das jetzt niemand gesehen, sonst bist du deinen Job auch los. Wer will schon einen pöbelnden Hausmanager. Vor allem in einem Nobelschuppen wie diesem.
Oh man, wie gern würdest du die ganzen Idioten hier raus prügeln, damit du auch endlich mal in die Sauna kannst. Hast sie ja schon oft genug von Innen gesehen... aber nur zum Säubern und da kommt keine richtige Entspannung auf.
Du stehst aus deiner Hockhaltung auf um dich zu strecken. Die Glieder knacken. Scheiße, bist du verspannt. Am liebsten würdest du dich jetzt einfach hinlegen und gar nichts mehr tun.
Aber Arschlecken, musst dich ja um die verdammten Anwohner kümmern. Diese reichen Leichen die nur noch stehen, weil sie etwa zwei Kilo Schminke drauf haben.
Echt, am liebsten würdest du weglaufen. Traust du dich aber eh nicht, bist ja ein liebes Kerlchen.
Du schaust nach hinten, als du quietschende Reifen hörst. Ein Auto nähert sich dir durch die schmale Einfahrt. Spießerauto, Audi, rot. Lächerlich. Spielzeugauto.
Du wendest dich ab, kratzt den Rest der alten Schilder weg. Was für eine erniedrigende Arbeit... oh man...
Jemand kommt von hinten an dich heran und du hörst die altbekannte Stimme: "Guten Morgen, allerseits", lispeln.
Genervt drehst du dich um und lässt die Schere senken. Der Hausmeister will an dir vorbei ins Haus - du hältst ihn auf, indem du schnell dazwischen springst. Während er dich verwundert ansieht, erklärst du ihm wieder aufs Neue, was es heißt, Hausmeister zu sein.
- Das Laub liegt schon seit Tagen rum, soll endlich mal Weg.
- Unkraut jäten, einmal durch die ganzen Beete.
- Der Gärtner empfiehlt Unkrautvernichter auf der Terrasse.
Und so weiter. Der Mann schenkt dir ab dem zweiten Satz kaum noch Beachtung. Mal wieder nicht durchgreifend genug, ihn weiter aufzuhalten, weist er dich mit nur wenigen Worten ab - verschwindet im Haus.
Du krallst dich fester an die Schere.
Oh ja, verdammt, der Kerl muss auch noch dran glauben. Die schweißigen Finger fassen den Griff fester, du klappst das Gerät auf und zu.
Schnipp Schnapp, Ohren ab. Schnipp Schnapp.
Bang, du bist tot!
Siehst ihn mit zufriedenem Grinsen an der Tür zusammensinken. Rot läuft es an der Scheibe hinunter. Er versucht sich noch festzuhalten, aber du trittst ihm in den Rücken.
Der soll bloß nicht die Wände dreckig machen, das Schwein.
Die Klinge schneidet sich genüsslich durch seine Haut. Stoppt dann. Ist wohl nicht geeignet zum Fleischschneiden. Sie bleibt in seinem Nacken stecken. Rührt sich kein Stück, egal wie stark du daran zerrst.
Resignierend wendest du dich ab. Na gut, dann halt nicht, hat er noch mal Glück gehabt.
Und du setzt dich vor der Tür auf den Steinboden. Wartest, bis er da drin aufgehört hat zu schreien. Scheiße, der soll nicht den ganzen Boden voll bluten. Musst du sonst wieder waschen, ist ja wohl nicht der Sinn der Sache.
Du siehst hin und wieder über deine Schulter. Der Kerl hört einfach nicht auf zu bluten. Mann, der soll bloß nicht so übertreiben.
Eine alte Frau geht an dir vorbei, grüßt dich mit einem Lächeln. Du grüßt freundlich zurück, drehst die Schere zwischen den Fingern.
Gibt es etwa zwei Scheren? Hast du sie wieder aus dem Nacken gezogen?
Du fragst dich, was die Alte wohl zu dem Haufen Menschenmatsch im Gang sagt - aber du hörst keine Reaktion. Siehst dich um.
Nichts mehr da. Verdammt, denkst du, das Aas ist abgehauen.
Seufzend rappelst du dich auf, schaust noch mal auf die Klingelkästen. In fein säuberlicher Handschrift stehen dort die Namen.
Schwarz auf Weiß. Mit Stockwerk hintendran. Wow, gute Arbeit. Und das alles ohne Blutflecken.
Du bist beinah stolz auf dich.
Siehst auf die Uhr. Noch früh, hast also genügend Zeit. Dir fällt ein, dass du noch einkaufen musst. Für irgendwen irgendwas in irgendeinem Laden.
Hast nicht mehr die geringste Ahnung. Musst wohl nachfragen. Und bei der Gelegenheit eine neue Schere holen.
Auf dem Weg stößt du beinah mit jemandem zusammen.
Du erkennst eine dieser alten Schachteln aus dem zweiten Stock. Genau, diese blöde verwirrte Kuh.
Man, wie die dich aufregt. Kaum sieht sie dich, fängt sie sofort wieder an.
- Der verdammte Türke hätte ihr Frühstück geklaut
- Hat wieder rumgesprüht
- Polizei holen
- Endlich mal was tun
- Ihr Leben bedroht
- Bla, Bla, Bla...
Du sagst einfach gar nichts. Die Worte kommen zu einem Ohr rein, zum anderen raus. Alles, was du hörst ist immer nur "bla bla bla"
Die Alte beschwert sich noch einige Minuten weiter. Deine Laune sinkt auf den Nullpunkt. Siehst auf die Schere in deiner Hand. Dieses verdammte Ding schneidet ja kaum Papier. Aber wenigstens mal ausprobieren...
Und du nimmst ihre Hand, beginnst penibel genau die Hand zwischen den Fingern aufzutrennen. Wie eine Naht platzt sie weiter auf, an den Fingerkuppen entlang.
Die Alte schreit. Das Blut läuft über deine Finger. Oh man, wie kann denn in einer einzigen Hand soviel Blut sein? Du verstehst es auch nicht mehr, bist einfach nur angepisst.
Das lässt du sie auch spüren. Soll sie sich doch ihren Türken sonst wohin stecken. Schneidest mit einem kräftigen Ruck in ihre Hand. Die Haut gibt nur wenig nach.
Die Schneide sinkt bis zum Anschlag in das fahle alte Fleisch ein. Aber bei den Knochen ist Ende. Nicht scharf genug.
Und du schwörst dir, nie wieder Sonderangebote zu kaufen.
In ihren Augen siehst du dein Spiegelbild. Siehst die kämpfen. Zu hohem Rosse, siehst die töten, siehst die siegen. Oh ja, ’s ist Krieg, ’s ist Krieg. Und auch Gott mag es jetzt nicht mehr aufzuhalten.
Und du musst lachen, wirst immer lauter. Hysterisches Kichern entfleucht deiner Kehle.
Du schließt die Augen.
In your head they're still fightin'
With their tanks, and their bombs
And their bombs, and their guns
In your head,
In your head they are dying

Öffnest die Augen... du stehst allein im Gang. Deine Hände zittern, die Schere liegt am Boden. Du siehst dich nach der Frau um. Aber sie ist verschwunden. Auch geflüchtet.
Pah, alles Schisser. Die haben alle nur Angst. Aber du nicht, oh nein, denn du bist stark. Du bist mächtig, jawohl. Du bist der König der Welt.
Du kicherst. Haha... diese Wahnsinnige, redet von einem Türken, den es nicht gibt. In der ganzen Gegend nicht. Redet von gestohlenem Brot, das sie nie hatte.
Einfach nur verrückt. Zu bemitleiden.
Aber du bedauerst sie nicht, ihre Dummheit hat sie sich ja wohl selbst zuzumuten. Verdammtes Miststück.
Seufzend gehst du die letzten paar Stufen und betrittst den hellen Gang. Du wendest dich nach rechts, in Richtung der Wohnung am Ende des Weges.
Das Licht am Ende des Tunnels. Wurde immer behauptet...

Das Spiel nimmt seinen Lauf...
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